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Frankie Hansen – legendärer Antifaschist – Widerstandskämpfer, Deportierte, Partisan, amerikanischer " Silver Star"

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Francis, bewaffnet, in den Strassen Ettelbrücks während der ersten Befreiung Luxembourg's

Frankie Hansen war ein junger Luxemburger, der sich wie so viele seiner Generation durch den Faschismus und die Besetzung seines Landes durch das nationalsozialistische Deutschland zum Handeln getrieben sah und dem bewaffneten Widerstand anschloss.

Die außergewöhnliche „Odyssee“ dieses jungen Widerstandskämpfers, der von der Gestapo wegen seiner Beteiligung am Generalstreik vom August 1942 verhaftet und gefoltert wurde, begann, als er in das Gefängnis des Konzentrationslagers Hinzert eingewiesen wurde.

Nach seinem Leidensweg durch die Gefängnisse Nazi-Deutschlands und des besetzten Polens wurde er in ein SS-Lager in der Nähe von Lublin deportiert und dort fast zwei Jahre lang festgehalten.

Die Rückkehr in die Heimat begann mit einer unglaublichen Flucht! Während des Chaos, das durch den Vormarsch der Roten Armee entstand, gelang es ihm, mit bloßen Händen einen deutschen Unteroffizier niederzuzwingen und sich dessen Uniform anzueigenen.

Nach einer kaum vorstellbaren einmonatigen Odyssee durch das zerbombte Polen und Nazi-Deutschland, gelang es ihm unter Umgehung der allgegenwärtigen Kontrollen seine Heimatstadt kurz vor der ersten Befreiung Luxemburg's von der US-Armee am 11. September 1944 zu erreichen.

Mit anderen jungen Menschen, die die Lager überlebt hatten oder aus dem Exil zurückgekehrt waren, bildete er eine Partisanengruppe, die entlang des von der Wehrmacht zum Schutz des Dritten Reiches errichteten Westwalls zum Einsatz kam.

Nachdem er mit den amerikanischen Soldaten zusammengetroffen war, meldete er sich freiwillig zum Wehrdienst in der 8. amerikanischen Division und nahm zu diesem Zwek die Identiät eines gefallenen GI an. Ende November 1944 wurde er an die Front bei Aachen verlegt und zeichnete sich während der erbitterten Kämpfe im Hürtgener Wald mehrfach aus.

Während der Offensive gegen Köln Mitte Februar 1945, als er mitten in der Nacht unter feindlichem Feuer die Rur (Roer) überquerte, gelang es ihm, eine für den Durchbruch des folgenden Tages entscheidende Brücke zu entminen. Für diese Aktion erhielt er den amerikanischen "Silver Star", der erstmals einem ausländischen Zivilisten für seine Verdienste im Kampf verliehen wurde.

Nach Überquerung der Rur (Roer) nimmt Frankie Hansen an den schweren Kämpfen im Ruhrgebiet teil und gelangt schliesslich mit dem weiteren Vormarsch der berühmten 8. Division in den folgenden Wochen und Monaten am 1. Mai 1945 bis an die Elbe.

Widerstand und Festnahme

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Francis Hansen mit 18 Jahren

Francis Hansen wird am 21. Mai 1922 in Diekirch (Luxemburg) geboren. Er ist nicht einmal achtzehn, am 10. Mai 1940, als die Wehrmacht in das Grossherzogtum Luxemburg einmarschiert.

1941 wird er Mitglied der in den Städten Ettelbrück und Diekirch tätigen Widerstandsorganisation LVL (Lëtze-burger Vollekslegio‘n). Er gelangt schon bald in eine Führungsposition der LVL und übernimmt die verwantwortliche Verbindungsstelle zwischen den beiden Sektionen.

Ende August-Anfang September erfährt sein Leben eine dramatische Wende. Die Einführung der Zwangswehrpflicht mit dem Ziel, die jungen Luxemburger an die Ostfront zu entsenden, löst eine breite Protestbewegung im Lande aus und viele Luxemburger widersetzen sich der Zwangsrekrutierung.

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Sein Ausweis als Fussballer der Amateurmannschaft seiner Stadt (der Besatzer hat alle franzöischen Wörter durchgestrichen und durch deutsche ersetzt)

Der Widerstand ruft zu einem Generalstreik auf. Francis Hansen verteilt Flugblätter in den Städten und Dörfern des Nordens. In der Diekircher Druckerei, wo er als Schriftsetzerlehrling arbeitet, hält er nicht nur seine Arbeitskollegen zur Beteiligung an der Streikbewegung an, sondern sabotiert auch die Maschinen, auf denen das Propagandamaterial des Besatzungsregimes gedruckt wird. Sein Arbeitgeber zeigt ihn bei der Gestapo an.

Tags darauf, in den frühen Morgenstunden des 1. Septembers, wird er in der elterlichen Wohnung von der Gestapo festgenommen.

Für ein erstes Verhör wird er nach Diekirch in die Villa Conter gebracht. In derselben Nacht wird er einer "drakonischen" Vernehmung unterzogen. Nach den Verhaftungen der Anführer des Generalstreiks sind etwa bis 60 Streikteilnehmer hier inhaftiert. Um ein „Exempel“ zu statuieren, lässt das Besatzungsregime 24 Streikende hinrichten.

Eine Woche später wird er zum Sitz der Gestapo-Zentrale in die Villa Pauly überführt. Hartmann, ein Gestapo-Offizier, versucht zunächst, mit dem jungen Francis zu "argumentieren", und fordert ihn zur Zusammenarbeit auf. Francis lehnt jede Aufforderung, der Wehrmacht beizutreten und Mitglieder seines Netzes zu denunzieren, hartnäckig ab. Bei der nächsten Vernehmung hat sich der Ton völlig geändert. Nachdem der Gefangene stundenlang vor einer Wand hat stehen müssen, schlagen zwei seiner Folterer wütend mit ihren Gummiknüppeln auf ihn ein, bis er das Bewusstsein verliert. Angesichts der Hartnäckigkeit des Gefangenen stößt ihm einer seiner brutalen Gestapo-Vernehmer in einem plötzlichen Wutanfall mit dem Stiefel ins Gesicht und zerbricht ihm alle Zähne seines linken Unterkiefers. Sein ganzer Körper ist durch Wunden und Hämatome gekennzeichnet. Er uriniert mühsam und um den Preis heftiger Schmerzen.

Mehr tot als lebend verbringt Francis die nächsten Tage ohne jeglicheVersorgung in seiner Zelle. Nach einem vierten Verhör und angesichts der Unnachgiebigkeit des Gefangenen, beschliesst die Gestapo, ihn in das Konzentrationslager Hinzert zu schicken.

Die große Reise :

Hinzert, Köln, Hannover, Berlin, Posen, Warschau, Lublin

Hinzert

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In das Konzentrationslager Hinzert wird er am 18. September 1942 eingewiesen. Bei der Vernehmung wird erneut nach der Streikbewegung und ihren Anführern gefragt.

Trotz seines jugendlichen Alters ernennt die SS ihn zum Stubenleiter, um ihn auf diese Weise bei jeder Gelegenheit misshandeln zu können. Mehrmals halbtot geprügelt, verschlechert sich seine körperliche Verfassung schnell. Nachdem ihm ein SS-Mann den Gewehrkolben in den Rücken gestossen hat, kommt es zu einer schweren Niereninfektion mit hohem Fieber. Ein dreiwöchiger Aufenthalt in der Krankenstation bringt kaum Besserung.

Am 13. Januar 1943 werden die Gefangenen nach einem ihnen unbekannten Ziel gebracht. Sie hegen den Verdacht, dass es Polen ist. Francis tritt diese große Deportationsreise in einem erbärmlichen Zustand an. Er ist todkrank, sein Fieber steigt auf 41 Grad, er verliert mehr als 20 kg Körpergewicht und wiegt nur noch 45 kg.

Köln-Klingelpütz

Von Trier geht der Gefangenentransport nach der berüchtigten Strafanstalt Köln „Klingelpütz“. Die luxemburgischen Häftlinge befürchten das Schlimmste, da das Gefängnis als Hinrichtungsort für die deutschen Oppositionellen bekannt ist. - Hier werden im Verlaufe des Krieges 21 zum Tode veruteilte Luxemburger hingerichtet. Drei Deutsche, dem Transport von Trier hinzugefügte Häftlinge, werden damals auf der Stelle erschossen.

Hannover

Am 18. Januar 1943 geht die Reise in Zellenwagen Richtung Hannover weiter. Die Häftlinge werden von der Angst verfolgt, in das Konzentrationslager Sachsenhausen, das 1936 für politische Gefangene errichtet wurde und sich 35 Kilometer nördlich von Berlin befindet, verlegt zu werden. Schliesslich werden sie in vier Gruppen aufgeteilt und nach dem Berliner Gefängnis am Alexanderplatz, genannt "Die Rote Burg", gebracht.

Berlin "Die Rote Burg"

Am 29. Januar trifft die Gruppe luxemburgischer Deportierter in Berlin ein. Im Gefängnis "Roter Alex" erfahren sie, dass das Ziel ihrer Reise Lublin in Polen ist. Auf Klopapier schreibt Francis einen Brief, den ein Gefängnisinsasse aus der Anstalt schmuggeln kann und der schließlich seine Eltern erreicht. "Mut liebe Eltern, wir halten alle zusammen .... In den letzten Monaten habe ich so viel Erfahrung gesammelt, dass ich hoffe, allen Situationen gewachsen zu sein, mag kommen was will... " Brief vom 30.1. 1943.

Poznan

Am nächsten Tag wird seine Gruppe von der Polizei an Ketten zum Zellenwagen gebracht, der sie nach Poznan (Posen) bringt, wo sie bis zum 5. Februar im Gefängnis "Wilhelmsplatz 12" vorübergehend untergebracht sind. Victor Abens und Christian Scholl, die ältesten von mehr als einem Dutzend anderer Luxemburger, gehören zu dieser Gruppe. Ihr Aufenthalt im Gefängnis am Wilhemsplatz 12 in Posen ist bis zum 5. Februar dokumentiert.

Warschau- Danilowiczowska

Am 6. Februar 1943 treffen Francis und seine Gruppe von Häftlingen in dem Warschauer Gefängnis der Danilowiczowska-Straße 7 ein, wo mehr als tausend Gefangene, hauptsächlich polnische und jüdische politische Gefangene, unter unmenschlichen Bedingungen zusammengepfercht sind.

Das Gefängnis der Danilowiczowska Strasse befindet sich in unmittelbarer Nähe der Großen Synagoge und des Warschauer Ghettos. Francis bleibt dort in der Zeit unmittelbar nach dem 18. Januar 1943, einem entscheidenden Tag für den jüdischen Widerstand, der erstmals im Ghetto ausbricht. Es bereitet den bewaffneten Aufstand gegen die von den Nazis organisierte Gefangennahme und Deportation (zum Zwecke der Liquidation) der übrigen vierzig bis fünfzigtausend Juden nach verschiedenen Lagern, hauptsächlich Treblinka, vor.

Der Aufstand des Warschauer Ghettos beginnt am 19. April 1943, dem Vorabend von Pessach, dem jüdischen Passahfest : Die letzten Überlebenden des Ghettos, etwa tausend Männer und Frauen, greifen zu den Waffen und erheben sich gegen die Nazi-Herrschaft. In diesem alles entscheidenden Moment des kalten Winters in Polen harrt Francis in einem kurzärmeligen Hemd (das er schon im letzten Sommer während seiner Festnahme trug) ungefähr zehn Tage unter schrecklichen Bedingungen in dem Warschauer Gefängnis aus. Seine Gesundheit verschlechtert sich gefährlich. Das Fieber steigt auf 41 Grad aufgrund einer viralen oder bakteriellen Infektion, bekannt als "Russisches Fieber".

Lublin

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Burggefängnis Lublin

Die Abreise von Warschau nach Lublin erfolgt um den 15. Februar 1943. Von der Krankheit schwer gezeichnet und gestützt auf seine Kameraden, läuft er Gefahr, erschossen zu werden, wenn er zusammenbricht.

Lastwagen bringen sie unter der Aufsicht polnischer Kollaborateure nach Lublin.

Trotz seines Zustandes bemerkt Francis, dass in den Strassen, den Aufsehern zum Trotz, polnische Passanten den Gefangenen ein Stück Brot, eine Zigarette oder sogar eine heiße Tasse Tee reichen. Er lernt den Mut der polnischen Bevölkerung und der Widerstandskämpfer zu schätzen. Trotz aller Mühsal der Reise erliegt er der Krankheit nicht.

Als der Transport im Gefängnis von „Schloss Lublin“ eintrifft, ist es noch hell. - Insgesamt waren hier in den Jahren der deutschen Besatzung (1939–1945)  zwischen 40.000 und 80.000 Personen inhaftiert. Die meisten davon waren polnische Widerstandskämpfer. –

Im „Schloss Lublin“ verbringt Francis mehrere Tage zwischen Leben und Tod. Auch hier sind die hygienischen Bedingungen katastrophal. Bettwanzen und Ruhr befallen die geschwächten luxemburgischen Häftlinge. Die meisten ihrer Mitgefangenen, die polnischen politischen Gefangenen, werden die Freiheit nie wiedersehen.

Eitrige Zähne und nicht verheilte Wunden im Kiefer und Rücken sind weniger erschreckend als das hohe Fieber, das Francis befällt. Während eines Appells, bei dem die Sterbenden der Krankenstation des Gefängnisses selektiert werden, stützen ihn seine Gefährten, damit er aufrecht stehen kann. Fast bewusstlos hebt er den Kopf, sammelt seine letzte Kraft und stimmt ein Lied von Tino Rossi an, um die SS zu amüsieren und so zu tun, als wäre er bei bester Gesundheit. Auf diese Weise rettet er sein Leben, denn die SS tötete mit einer Luftinjektion auf der Stelle alle, die sie für "sterbend" hielt.

In der Krankenstation hilft ein luxemburgischer Gefangener Francis. Eine Gebetsstunde wird von seinen Freunden organisiert, um ihm beizustehen. Aber dank eines jüdischen Gefangenen-Zahnarztes nimmt sein Schicksal eine andere Wende! Mit Hilfe eines Ringes und anderer versteckter Goldjuwelen, die der Kontrolle des SS-Kommandos bei der Festnahme entgangen waren, schafft es dieser Häftling, ihm mehrere Zähne einzusetzen. Diese Goldzähne werden Francis lange Zeit nach dem Krieg begleiten und ihn von Zeit zu Zeit an jenen edelmütigen jüdischen Zahnarzt erinnern, der kurze Zeit später von der SS ermordet wurde ......

SS-Sonderlager Dobrowicza (Lublin)

(Februar1943- Juni 1944)

Francis´ Gruppe ist im SS-Sonderlager Dobrowicza (Lublin) in der Nähe der Stadt Lublin interniert. Dobrowicza ist ein Zwangsarbeitslager. Dieses Lager ist dem Kommando der SS und des Bezirkspolizeichefs von Lublin unterstellt. Die Haftbedingungen sind nicht mit denen des Vernichtungslagers Majdanekvergleichbar. Zum Glück sind die Deportierten einem geschlossenen Bereich zugewiesen, der eher einer Farm als einem Gefängnis gleicht. Die Überwachung ist weniger streng als in einem wirklichen Konzentrationslager (KZ). Gefangene müssen Zwangsarbeit leisten wie beispielsweise Erdarbeiten für den Straßenbau.

Francis ist zwar der jüngste unter den Luxemburgern, aber er setzt sich schnell als Führungspersönlichkeit durch. Seine Gesundheit verbessert sich. Francis weiß, wie man den Hunger und den Mangel an Kalorien in der Gruppe der luxemburgischen Deportierten durch mutige und gut kalkulierte Maßnahmen beheben kann. Beim Abladen lässt er einen Sack mit 50 Kilo Nudeln an die Baracken-Küche der Häftlinge umleiten.

Eines Nachts wird der Garten der SS geplündert und der künstliche Teich seiner Forellen beraubt. Er ist mutig, riskiert viel und bringt sein Leben ständig in Gefahr: Er verlässt das Lager durch das Rohrleitungssystem und bringt von Zeit zu Zeit Kartoffeln von seinen nächtlichen Besuchen bei den Partisanen oder polnischen Bauern zurück ins Lager. Auf die gleiche Weise schafft er es auch, unzensierte Nachrichten nach aussen zu liefern.

Seine spektakulärste Tour de Force ist zweifellos die Eliminierung eines Schäferhundes, der darauf dressiert ist, Häftinge anzufallen und deren Sehnen zu zerbeissen. Eines Tages, nachdem er sich monatelang darum bemüht hat, gelingt es Francis, diesen Hund den unbesetzten Überwachungsturm hinaufzulocken und ihn dann von oben in die Leere zu stossen. Die SS, die den Hund mit gebrochenem Hals auffindet, fragt sich, wie um alles in der Welt der Hund die zweistöckige Leiter des Überwachungsturms hat erklimmen können.

Bei einer anderen Gelegenheit schnappt sich Francis eine Kamera aus dem SS-Mannschaftsgebäude, leiht sie Christian Scholl (damit er Bilder aus ihrem Leben im Lager machen kann), und legt sie dann unbemerkt zurück.

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Christian Scholl und Francis Hansen​

Nicht immer läuft alles glatt ab. Bei einem seiner Ausflüge aus dem Lager wird das Alarmsystem aktiviert und er muss sich stundenlang unter Exkremente der Grubenlatrine verstecken.

Eines Tages gelangt ein aus dem Lager geschmuggelter Brief zu der Frau eines Häftlings in Luxemburg. Sie beschwert sich bei der örtlichen Gestapo über die Internierungsbedingungen, worauf der Gestapobeamte sogleich die Lagerbehörden in Polen über dieses Leck in der Briefkontrolle informiert. Die SS lässt die Gefangenen stundenlang antreten und fordert sie unter Androhung harter Strafen auf, den Täter anzuzeigen. Francis, der jüngste und sportlichste unter den luxemburgischen Gefangenen, übernimmt die Verantwortung für den Brief und stellt sich der SS, die ihn wild vor den anderen Gefangenen schlägt und auspeitscht.

In diesem Augenblick erinnert sich Francis blitzartig daran, wie Albert Wingert, ein Gefangener aus Luxemburg im Lager Hinzert, den Schlägen des berühmten sadistischen Folterknechts Iwan des Schrecklichen begegnet war. Bei jedem Prügelschlag hat auch Francis sich von den brutalen Hieben wie zurückfedern lassen und so den eingebildeten Folterknecht mit Stolz auf seine physische Kraft erfüllen können.

Gesundheitlich geht es ihm in der Folge zusehends besser. Er nimmt etwas an Gewicht zu und sein muskulöser und durchtrainierter Körper ruft sogar bei Bewunderung bei der SS , die ihn einmal nackt den anderen Gefangenen als Vorbild vorführen lässt.

Seine Kenntnisse und Erfahrungen als Fußballspieler erlauben es ihm, mit dem Team der russischen Häftlinge gegen die SS zu spielen.

Ab 1944 ist Francis zumeist in der Gestapo-Zentrale in Lublin beschäftigt, wo er von der SS im Möbellager angestellt wird.

Die Odyssee der Rückkehr nach Luxemburg

Ende Juni wird die Ostfront zerschlagen und die Familien der SS fliehen nach Deutschland. Die russische Offensive gegen Lublin beginnt am 18. Juli 1944. Die Russen durchbrechen die deutschen Verteidigungsanlagen. Am nächsten Tag greifen sowjetische Flugzeuge die deutschen Stellungen an, während Bodentruppen die erste Frontlinie der deutschen Wehrmacht zerschlagen. Sowjetische Panzer erreichen die Vororte von Lublin. Die Stadt wird am 23. Juli eingekesselt. Panik ergreift die deutsche Truppen.

Am 21. Juli nutzt Francis, der noch im SS-Hauptquartier arbeitet, das Chaos, das durch die Ankunft der sich zurückziehenden Wehrmachtstruppen entstanden ist. Er dringt in die „verbotene Zone“ ein und betritt die verlassene Offiziersmesse. Auf dem gedeckten Tisch stehen Schüsseln mit heißer Suppe für die „Herren“ bereit. Den bevorstehenden Untergang der Herrenmacht vor Augen, ergreift Francis die Schüsseln und schleudert sie über das Gelände der gusseisernen Treppe in den ersten Stock hinab.

Alarmiert von dem Lärm, erscheint ein Unteroffizier, der auf ihn losspringt. Nach kurzen Kampf kann Francis den Nazi-Offizier "ausser Gefecht setzen“. Er nimmt sich dessen Uniform und entfernt die Abzeichen. In einen Sack steckt er vier Flaschen Schnaps, verlässt das SS-Hauptquartier, eilt zu einem der flüchtenden deutschen Konvois und ergattert sich mit einer Flasche Schnaps einen Sitz auf einem Lastwagen.

Bei der Weiterfahrt erblickt er im Bereich eines benachbarten Lagers eine Reihe an Galgen erhängter Gefangener. Der Konvoi kann die Brücke über die Weichsel überqueren, kurz bevor sie in die Luftgesprengt wird, und fährt dann über die Straße nach Radom weiter.

Francis hatte das Glück, nicht wie gewöhnliche Gefangene behandelt zu werden - mehrere hundert Gefangene im Schloss Lublin wurden noch unmittelbar vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen ermordet – Wahrscheinlich verdankt er sein Glück dem SS-Obersturmbannführer Koschig. Francis, der nach Luxemburg zurückkehren will, wird von diesem deutschen Offizier geholfen. Koschig, zunächst bei der Sicherheitspolizei in Luxemburg eingesetzt, war 1943 nach Lublin als Verwaltungsinspektor verlegt worden. Koschig, der sich nunmehr keine Illusionen mehr über einen möglichen Sieg von Nazi-Deutschland macht, sorgt sich vielmehr um seine eigene Familie, die in Luxemburg geblieben ist. In Radom übergibt er Francis eine Reihe von Briefen an seine Frau und stellt für Francis selbst eine Bescheinigung mit offiziellem Belegkopf aus, die seine Beschäftigung als Autowäscher unter Aufsicht des SD Lublin bezeugen soll.

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Bescheinigung von Koschig
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Erneuerte Bescheinigung von Koschig

Dies ist das einzige Dokument, mit dem der entflohene Gefangene die gefährliche Rückreise inmitten des Debakels der deutschen Armee antreten wird. Aber dieses Dokument ohne Passfoto ist nicht viel wert, denn ein wirkliches Ausweispapier ist es nicht. Die Pseudo-Bescheinigung wird zweimal erneuert, das letzte Mal in Częstochowa (Czenstochau), für die Zeit vom 21. bis zum 30. August.

Letztlich ist Francis völlig auf sich selbst gestellt, um den Rückweg nach Luxemburg anzutreten. In Warschau erreicht derzeit der Aufstand des polnischen Widerstandes seinen Höhepunkt , wird aber kurz danach zerschlagen. Francis wagt es nicht, ohne seine Wehrmachtsuniform auszugehen, und gibt vor, ein luxemburgischer Rekrut zu sein. In Częstochowa, vom Hunger getrieben, geht er bei Lebensgefahr in die Militärkantinen und läuft jederzeit Gefahr, verhaftet und als Deserteur erschossen zu werden.

Im berühmten Kloster Częstochowa findet er Schutz: die Kirchenleitung versteckt ihn für einige Tage, gibt ihm etwas Geld und schenkt ihm ein Bild der Schwarzen Madonna, das ihn auf seiner Rückreise beschützen soll. Dieses Bild hat seine Mutter später erhalten und bis zu ihrem Tod aufbewahrt.

Wie viele andere versprengte Soldaten wird er bei einer Kontrolle eingefangen und anschliessend einer Kampfeinheit zugeteilt, die für die nahe Ostfront bestimmt ist.

Am Bahnhof Częstochowa, wo auch die Züge für die Westfront zusammenlaufen, mischt er sich unter die Wehrmachtssoldaten, deren Wagen nach Westen fahren. Während einer Kontrolle springt er aus dem fahrenden Zug und wechselt anschliessend auf einen anderen Zug über. Ein Schluck aus der letzten noch übrigen Flasche Alkohol reicht aus, um die Atmosphäre zu entspannen und das Verdacht hegende Militär freundlich zu stimmen.

Ende August kommt Francis in Wroclaw (Breslau) an. Ein Polizeioffizier, der von der Ostfront zurückgekehrt ist, erteilt ihm die Order, seine beiden eleganten Lederkoffer zu tragen. Francis nimmt die Koffer, taucht in der Menge unter, zieht in einer Toilette Zivilkleidung an und lässt die Uniform den Abfluss hinab verschwinden.

Andere Züge bringen ihn schließlich nach Köln und dann nach Trier. Um sich jeglicher Kontrolle zu entziehen, meidet er von da an die Hauptstraße und geht 40 Kilometer der Bahnstrecke entlang bis nach Ettelbrück. Bei einer befreundeten Bauernfamilie in Feulen, einem Dorf in der Nähe von Ettelbrück, findet er Unterschlupf.

Im Koffer des Offiziers entdeckt er eine Leica-Kamera, die einen Film mit Bildern von der Ostfront enthält.

Befreiung des Großherzogtums Luxemburg

Die Miliz von Vianden

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Die Miliz von Vianden.. Francis, zweiter von rechts

Zurück in Ettelbrück schließt er sich einer Gruppe von Widerständlern und Deserteuren der Wehrmacht an, die sich Waffen beschaftt haben und Überraschungsangriffe gegen die in Auflösung begriffene deutsche Armee durchführen.

Am 10. September 1944, in der Morgendämmerung, befreien Einheiten der 5. Panzerdivision der US-Armee den südlichen Teil von Luxemburg, und am 11. September rücken amerikanische Truppen nach Norden und Osten vor. Die Einheiten der 5. US-Panzerdivision, flankiert von Einheiten der 28. Infanteriedivision, befreien das Land Dorf für Dorf.

Am selben Tag, dem 11. September, während die siegreichen amerikanischen Truppen in die Stadt einmarschieren, führt Francis´ Bruder eine Reihe von Spähern zu einem Hügel, von dem aus sie einen deutschen Konvoi mit verheerendem Artilleriefeuer belegen.

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Die Brüder Pierre und Francis Hansen
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Francis, bewaffnet, in den Strassen von Ettelbrück, zur Zeit der ersten Befreiung Luxemburg's
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Francis in Ettelbrück, zur Zeit der Befreiung Luxemburg's

Nachdem er mit zur Festnahme von Kollaborateuren beigetragen hat, schließt er sich einer als „Miliz“ bekannten Partisanengruppe an. Diese Gruppe wird von Victor Abens geführt, einem Mann aus der kleinen Grenzstadt Vianden und ehemaligem Mitgefangenen von Francis im Lager Lublin.

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Victor Abens und Francis Hansen
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Francis mit einem anderem Partisan in Vianden
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von links: Francis Hansen, Nelly Wagner, René Weis in Vianden

Die Kleinstadt Vianden ist von Deutschland durch einen Fluss mit einer hohen Klippe getrennt, der eine natürliche Grenze von großem strategischem Interesse darstellt.

Das von seiner Bevölkerung verlassene Vianden ist derzeit ein Niemandsland. Die amerikanische Armee ist in einer Entfernung von einigen Kilometern in Stellung gegangen.

Die Miliz-Partisanen verüben Einfälle in deutsches Territoium entlang der Siegfriedlinie. Mit etwa dreißig Mann fängt die Miliz deutsche Patrouillen ab, macht Gefangene, die sie der US-Armee übergeben, und sammelt Informationen über die Bewegungen der deutschen Armee, die auf dem Hügel jenseits des Flusses verschanzt ist.

Auf diese Weise befreundet sich Francis mit Milard O. Engen, einem jungen Leutnant der 8. Division, durch dessen Vermittlung er der amerikanischen Armee als Freiwilliger beitreten kann. So nimmt er am ersten November 1944 die Identität des gefallenen Gordon Bayes aus Houston, Texas, an.

Die Hölle von Hürtgen und die Überquerung der Rur (Roer)

Das erste Bataillon des 28. Regiments der 8. Infanteriedivision kommt am 1. Oktober nach erbitterten Kämpfen in der Normandie nach Luxemburg und richtet sein Hauptquartier außerhalb der Reichweite der deutschen Artillerie ein. Es behält diese Positionen drei Wochen lang und führt Unternehmen an der Siegfriedlinie durch.

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Nach dreimaliger Verwundung wurde Frankie Hansen mit dem Purple Heart ausgezeichnet
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Amerikanische Panzer in Hürtgenwald

Wochen lang und führt Unternehmen an der Siegfriedlinie durch. Die Freundschaft mit den GIs der Kompanie A macht sich Francis zunutze, um seine Englischkenntnisse zu verbessern. Die perfekte Beherrschung der deutschen Sprache, sein Wissen von der Psychologie des Feindes und vor allem seine eigene Motivation, die Nazis bis zur völligen Niederlage zu bekämpfen, machen aus Francis einen Verbündeten erster Wahl für die amerikanische Armee.

Knapp drei Wochen später steigt der "amtlich“ nicht registrierte Soldat Francis Hansen, dessen amerikanisierter Name numehr „Frankie“ lautet, mit der 8. Division auf Armee-Lastwagen , die Richtung Waldgrenze Hürtgen, einem isoliertem Brückenkopf auf deutschem Territorium, fahren.

Als sie dort ankommen, erkennen die GIs der 8. Division, dass die Truppen, die drei Wochen lang vergeblich versucht haben, die feindliche Front zu durchbrechen, und tausende Menschenverluste erlitten haben, sich in einem entsetzlichen Zustand befinden, und dass die Truppenmoral unter den Nullpunkt gesunken ist.

Am 19. November 1944 nimmt das Bataillon auf einem schmalen, mehrere Kilometer langen, von Minen befreiten Weg Stellung. Der Weg, der ununterbrochenem Artilleriefeuer ausgesetzt ist, kann nur nachts benutzt werden. Der Fehltritt eines GI sprengt eine Mine und es folgt ein Mörserfeuer, das vier Mitglieder des Hauptquartiers das Leben kostet.

Frankie muss erfahren, dass die erste Überlebensregel im "Wald des Todes", wie die Deutschen ihn nennen, darin besteht, sich nicht um auch nur eine Haaresbreite von einem entminten Weg zu entfernen. Das Schlachtfeld des Hürtgenwaldes ist übersät mit Hunderttausenden unsichtbarer Antipersonenminen, die an Drähten von zerfetzten Baumstämmen befestigt sind und bei der geringsten Berührung explodieren.

Unsichtbare Feinde lauern auf sie, in befestigten Stellungen, mit betonierten Maschinengewehrpositionen und getarnten Artilleriegeschützen. Die Amerikaner können ihre Überlegenheit an Panzern und anderen schweren Waffen in diesem mitten im Winter unzugänglichen Gelände nicht nutzen. Ihre Flugzeuge müssen am Boden bleiben.

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Hürtgenwald, nach den Kämpfen
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Hürtgenwald, Minen
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Hürtgenwald, Überlebende

Die amerikanische Infanterie ist dem Gegner an Feuerkraft unterlegen und die Soldaten sind in den in aller Eile gegrabenen Schützengräben einem unaufhörlichem feindlichen Feuer ausgesetzt. Dreißigtausend Granaten gehen auf sie nieder : durchschnittlich 3000 pro Tag, zwölf Tage und zwölf Nächte lang.

Vossenack

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Ruinen der Kirche von Vossenack
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Die Wegstrecke in Richtung Vossenack, die im November 1944 tagelang dem feindlichen Beschuss ausgesetzt ist, biegt von der Hauptstraße in der Nähe des Dorfes ab und folgt dann einem steilen Weg quer durch ein Minenfeld, in dem die Leichen der Minenräumer der 28. Division noch zu sehen sind. In jenen Tagen ist das 1. Bataillon im Gebiet von Vossenack einem äusserst intensiven Granatbeschuss ausgesetzt, der den von den Schlachtfeldern in Frankreich noch übersteigt. In 24 Stunden gehen mehr als 5000 Granaten auf die Soldaten nieder, die in Schützengräben Deckung suchen.

Der zwölf Tage lang dauernde ununterbrochene Artilleriebeschuss, die Schreie verwundeter oder sterbender Soldaten aus den angrenzenden Gräben, die Unmöglichkeit, ihnen beizustehen, und die eigene hilflose Lage wird für die Männer in ihren schlammigen und stinkenden Löchern ein Trauma bleiben, das ihre Erinnerung für immer prägen wird.

Die Geschichte der Kompanie ist voll von Berichten über den Mangel an einsatzbereiten Männern, über Angriffe und Gegenangriffe, das Einschlagen von Granatsplittern in die lediglich von Tannenstämmen bedeckten Gräben, über Zusammenstöße mit feindlichen Patrouillen...

Tagelang haben die Männer nichts zu essen und die Verletzten können nur nachts über einen dem feindlichen Feuer ausgesetzten Pfad evakuiert werden, wobei stets neue Opfer zu beklagen sind.

Der stetts einsatzbereite Frankie nimmt systematisch an Patrouillen zur Erkundung des feindlichen Territoriums teil.

Einige Trupps führen ihre Gegenangriffe mit weniger als 40 Männern durch, da nicht fortbewegunsfähige Männer ihre Stellung halten müssen und selbst Lungenentzündung kein Grund ist, evakuiert zu werden.

Die schrecklichste Erinnerung an diese Tage bleibt jedoch der modrige Gestank der überfluteten Gräben und der stechende Geruch hunderter verwesender Leichen, die zwischen den Ruinen und zerfetzten Bäumen liegen.

Das Dorf Vossenack ist nach wochenlangen Kämpfen nichts als ein Trümmerhaufen. Die Soldaten, die dort zölf Tage lang ausgeharrt haben und ständig dem Granantenbeschuss ausgesetzt waren, werden schliesslich vom dritten Bataillon befreit.

Dieses einst idyllische, von dichten Wäldern umgebene Dorf, wird für die Soldaten des ersten Bataillons zum Symbol der schrecklichsten Zeit überhaupt, in der Vossenack, wie Ernest Hemingway schreibt, 23 Mal den Besitzer gewechselt hat.

Frankie, der den hinter der Gartenmauer des Pfarrhauses verschanzten Feind nahe der völligt zerstörten Kirche unter Beschuss genommen hatte, berichtet von den entsetzlichen Nahkämpfen, nach deren Ende amerikanische und deutsche Leichen schichtweise aufeinandergestapelt worden waren.

Am 27. November sind die Mannschaften zahlreichen Gegenattacken ausgesetzt. Lt. Colonel E. Smith übernimmmt am 7. Dezember das Kommando, fünf Tage danach ist er bereits tot.

In Vossenack erleidet die amerikanische Armee zwei Mal mehr Verluste als die Wehrmacht.

Am 18. Dezember, als sich das erste Bataillon stets noch bei Vossenack befindet, startet die Wehrmacht an der belgisch-luxemburgischen Grenze die Ardennenoffensive.

Die Moral der amerikanischen Truppe ist auf einem Tiefpunkt angelangt, da keinerlei Unterstützung mehr zu erwarten ist, und der Brückenkopf der 8. Division im Hürtgenwald durch die Ardennenoffensive noch stärker isoliert ist.

Die Front bei Düren und der Durchbruch über die Rur (Roer)

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Düren in Ruinen

Am 7. Februar 1945 wird dem ersten Bataillon der 8. Infanterie-Division der Befehl erteilt, seine Stellungen im Hürtgenwald westlich von Aachen (Aachen) zu verlassen. Die Hoffnung der Soldaten auf Urlaub nach zwei Monaten erbitterter Kämpfe und enormer Verluste in jenem "Deutschen Todeswald" wird jedoch rasch zunichte. Das Bataillon wird nur entsetzt und an das Westufer der Rur (Roer) nach Lendersdorf, einem Dorf bei Düren, verlegt. Dennoch ist die Freude groß und die die Soldaten glauben dem Tod, mörderischen Kämpfen, unerhörtem Leiden ...entgangen zu sein.

Unterdessen bricht die deutsche Offensive in den Ardennen, auch “Rundstedt-Offensive“ genannt, zusammen. Für die amerikanischen Soldaten erweist sich die Hoffnung auf eine kurze Atempause jedoch als falsch. Tatsächlich ändert das Bataillon nur die Stellung.

Von den 180 Männern der Kompanie, die in der Nacht des 28. November in der Nähe von Vossenack Stellung beziehen, sind nur noch 17 kampffähig, die meisten sind entweder verwundet oder tot. Die Division verliert allein im Zeitraum November bis Dezember 4000 Mann.....

Frankie wird ein Experte im Nahkampf. Statt des schweren Infanteriegewehrs werden ihm eine Thompson-Maschinenpistole, zwei automatischen Pistolen und Handgranaten ausgehändigt. Zweimal in fast täglichen Zusammenstößen zwischen feindlichen Patrouillen verwundet, wird er mit dem Purple-Heart-Stern ausgezeichnet.

In Erwartung der großen Offensive gegen Köln, dem strategischen Industriezentrum des Dritten Reiches, lassen sich die GIs in Lendersdorf in beheizten Kellern nieder, was für sie nach dem, was sie bisher erlebt haben, ein wahrer Luxus ist.

In der Regel ist die Rur (Roer) ein ruhiger Strom. Nach Sprengungen der Dämme von Düren , insbesondere des Schwammenaueler Damms, ist sie jedoch nicht mehr zu erkennen. Ihre Wasser, die eine durchschnittliche Tiefe von drei Metern haben, strömen über eine Breite von mehr als dreißig Metern mit solcher Gewalt dahin, dass ein Passiern im Boot höchst gefährlich wird. Der Wasserstand steigt ständig und die Offensive wird zweimal verzögert.

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Die Wehrmacht sprengt die Talsperre von Schammenauel

Der Plan des Hauptquartiers ist es, den Fluss nach heftigen Bombardierungen auf Booten zu überqueren. Übungen mit Schlauchbooten sind im Gange und Ingenieure bauen Pontons für Infanterie und schweres Ausrüstungsmaterial im Hinblick auf den bevorstehenden Angriff.

Die Lendersdorfer Brücke ist während des Rückzugs der Wehrmacht nur um ein Viertel auf amerikanischer Seite zerstört worden. Die Pfeiler stehen immer noch auf deutscher Seite , aber sie sind mit schweren Sprengsätzen aus TNT und mit zwei 500 Kg-Fliegerbomben verkabelt, die jederzeit von deutschen Maschinengewehrstellungen aus, die den Fluss beim geringsten Anlass unter Kreuzfeuer nehmen, gezündet werden können.

Geplant ist, die intakt gebliebenen Brückenpfeiler zu sichern und mit Stahlträgern für den Transport der Panzer und Artilleriegeschütze zu versehen, die auf dem Weg nach Köln für die entscheidende Schlacht um das Industriegebiet der Ruhr eingesetzt werden sollen.

Am 16. Februar scheitert der erste Versuch eines Kommandos von drei Freiwilligen, sich der Brücke in der Nacht auf einem Schlauchboot zu nähern. Sie finden alle den Tod.

Am nächsten Tag sind zwei weitere Versuche zum Scheitern verurteilt. Das Unternehmen stellt sich als selbstmörderisch heraus. Wieder werden alle getötet. Aber die Zeit wird knapp und es musss schnellstens eine Lösung gefunden werden. Franckie meldet sich freiwillig. Er hat seine Kameraden nacheinander sterben sehen und sich Gedanken über die Lösung des scheinbar unlösbaren Problems gemacht. Er unterbreitet dem Kommandanten des Hauptquartiers seinen Plan. Der Plan wird akzeptiert. "Frankie, du bist verrückt", reden ihm seine Kameraden zu. Aber Frankie besteht darauf, seinen Plan zu verwirklichen. Er will sich im Alleingang schwimmend der Brücke nähern. Er ist entschlossen, alles zu wagen. General Moore persönlich, Kommandant der 8. Division, wünscht ihm "viel Glück" und Erfolg für das Unternehmen. Reporter von Stars and Stripes wollen ihn interviewen, aber seine Gedanken sind anderswo und er lehnt ab.

In der Nacht vom 18. Februar trifft Frankie alle Vorbereitungen für seine Mission. Sein Körper wird mit einer dicken Schicht Fett eingerieben. Seine Ausrüstung besteht nur aus einem Dolch und einer Kabelschere zum Durchschneiden der Drähte und Entschärfen des Sprengstoffs. Nach Mitternacht gehen zwölf der besten Männer seiner Kompanie, die ihn begleiten, einem von Minen geräumten Weg entlang, um sich dem Ufer unter ständigem Maschinengewehrfeuer zu nähern. Sieben von ihnen sollen in den nächsten Tagen ihr Leben verlieren ...

Frankie zieht es vor, etwa 100 Meter stromaufwärts in das Wasser zu steigen und sich von der starken Strömung bis zum ersten Brückenpfeiler treiben zu lassen.

Seine Freunde wünschen ihm „Good luck“ und werfen Äste und Gestrüpp zur Tarnung in den Strom. Geräuschlos lässt er sich im Dunkel der Nacht von den eiskalten Fluten zur feindlichen Uferseite treiben. Am vierten Pfeiler angekommen, zieht er sich hoch und schneidet das Kabel durch. Ebenso geht er beim dritten, dann beim zweiten und schliesslich beim ersten Kabel vor. Gerade hat er seine Arbeit beendet, als er aufgeregte Bewegungen auf deutscher Seite bemerkt. Leuchtraketen erhellen den Fluss und Maschinengewehrfeuer streichen über die Wasserfläche. Frankie beschliesst, nicht zu seinen Kameraden zurückzuschwimmen, sondern sich dem feindlichen Ufer zu nähern. Er duckt sich in einen Granattrichter in unmittelbarer Nähe eines feindlichen MG-Postens, dessen Stimmen klar vernehmbar zu ihm dringen.

Diese Entscheidung rettet ihm das Leben. Beim Durchschneiden des Stacheldrahts verletzt er sich Erst als die Maschingewehrsalven abklingen, steigt er wieder in den Fluss, taucht mehrmals schwimmend unter die Wasseroberfläche und erreicht schliesslich die amerikanische Uferseite. Da er das Passwort (erneut) vergessen hat, legt ein Wachposten auf ihn an, verfehlt ihn aber zum Glück. Zurück ins Lager gebracht, wird ihm eine triumphaler Empfang bereitet.

Die amerikanischen Soldaten wollen ihren Augen nicht glauben. Ein Fantom, ein tot Geglaubter ist zurückgekehrt.

Der unerwartete Erfolg der Operation wird dem Generalquartier durch Fackelfeuer mitgeteilt. Sofort wird ein intensives Artilleriefeuer auf feindliche Stellungen ausgelöst. Die Rheinoffensive hat begonnen . Für diesen heroischen Einsatz von höchst strategischer Bedeutung wird der (zwar als „ausländischer Zivilist geführte) Frankie Hansen im Jahr 1947 mit dem "Silver Star" – ausgezeichnet. Der Beschluss des amerikanischen Senats lautet wie folgt:...

For this heroic achievement of such a strategic importance, Frankie Hansen, even though he was a foreign civilian, is rewarded with the "Silver Star" decoration in 1947, according to the following resolution of the American Senate :

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General Armstrong verleiht Frankie Hansen in der amerikanischen Botschaft Luxemburgs die Auszeichnung « Silver Star »
#27 (219k)
Übersicht über Frankie Hansen’s Einsätze und Auszeichnungen
#28 (74k)
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Frankie Hansen mit seiner Gattin Betty (zur Rechten) und seiner Mutter Catherine (zur Linken) nach Verleihung des „Silver Star“
#x1 (592k)
Diploma des „Silver Star“
#x2 (544k)
Frankie Hansen’s amerikanische Auszeichnungen (von links nach rechts): Siver Star Medal - Purple Heart - Good Conduct Medal - European - African - Middle - Eastern - Campaign Medal - World War 2 Victory - Army of Occupation Medal
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1945, Frankie nach dem Krieg in der luxemburgischen Armee

Von der Überquerung der Rur (Roer) und den Kämpfen an der Ruhr bis zum Ende des Krieges

In Lendersdorf gerät die Überquerung der Rur (Roer) in Schlauchbooten zur Katastrophe. Wegen der starken Strömung kentern fast alle Boote und nur wenige schaffen es mit Soldaten und Waffen ans andere Ufer zu gelangen. Ein Brückenkopf wird jedoch errichtet und in den nächsten Tagen weiter ausgebaut.

Erst am 23. Februar setzt das Bataillon, unterstützt von schwerstem Artilleriefeuer, zum Sturm auf Düren an. Aber die Invasion des Ruhrgebiets durch die amerikanische Armee gerät zur Katastrophe.

In Düren und den umliegenden Dörfern stehen nur noch Ruinen, aber der deutsche Widerstand ist nicht zu brechen. Eine Mörsergranate fordert 30 Opfer, unter denen Frankie viele Freunde beklagt.

In Hürtgen, wo die Sterberate äusserst hoch ist, lautet die Parole, man solle keine engen Bindungen untereinander aufbauen, weil die Freunde schon bald ihr Leben verlieren könnten. Doch Frankie ist unverbesserlich, was Freundschaften betrifft.

#30 (492k)
Die GI's in Krauthausen
#31 (53k)
Hunderte Deutsche ergeben sich

In Steinroth und Krauthausen werden die Fabriken und Häuser Meter um Meter von der amerikanischen Armee freigekämpft. Dieses alptraumhafte Szenario soll sich noch in den nächsten Wochen Stadt für Stadt und Dorf für Dorf wiederholen. Obwohl kein Zweifel mehr an der Niederlage der Wehrmacht besteht, leisten fanatisierte junge Wehrmachtsoldaten bis zu ihrem letzten Atemzug Widerstand und treiben den Blutzoll auf beiden Seiten in die Höhe..

Deutsche Soldaten, die sich den GIs ergeben, sprengen sich mit den amerikanischen Soldaten in die Luft. Kindersoldaten schiessen aus dem Hinterhalt auf die durchziehenden US-Truppen.

Zehntausende Gefangene ergeben sich der 8. Division, ein Zeichen, dass das Dritte Reich seinem Ende entgegen geht.

#32 (209k)
...Zehntausende ergeben sich

Frankie’s Deutschkenntnisse kommen der amerikanischen Armee ganz besonders zugute, da er die deutschen Gefangenen und Bewohner in ihrer Muttersprache ansprechen kann.

#33 (209k)
Mit Capt. Engen und zwei anderen Kameraden in Widdig
#34 (122k)
Frankie in Widdig
#35 (426k)
In Widdig nach den Kämpfen
#36 (61k)
Frankie auf einer Jeep

In Widdig, einem zwischen Köln und Bonn gelegenen Städtchen, erfährt er am 23. März beim Befragen von Zivilisten, dass zwei deutsche Soldaten Funksignale an das gegenüberliegende Flussufer schicken. Mit einer Bazooka bewaffnet, feuert er zwei Granaten in das obere Stockwerk, stürmt das Haus und nimmt beide Soldaten gefangen.

Am 29. März bei Steineroth schleicht sich Frankie, von zwei Soldaten seiner Kompanie begleitet, auf offenem Feld und ohne Deckung an einen Maschinengewehrposten heran. Als der Posten sie bemerkt, eröffnete er das Feuer und verletzt beide Begleiter Frankies, darunter den zweifachen Träger des „Silverstar Merle“ F. Butler. Im Alleingang stürmt Frankie daraufhin bei gleichzeitigem Feuer aus seiner Thompson den MG-Posten. Er tötet beide Wachen und nimmt den MG-Schützen gefangen.

Frankie verdankte Merle Butler sein Leben. Während einer Patrouille im Hürtgenwald war Frankie verwundet und von seinem Freund unter feindlichem Artilleriefeuer in Sicherheit gebracht worden.

Als das Bataillon in Essen einrückt, einer Stadt im Herzen der vom Krupp - Imperium beherrschten Industrieregion, lassen sich die Soldaten für einige Zeit in der berühmten „Villa Hügel“ der Krupp - Familie nieder, die sich in Bredeney (heute Teil von Essen) befindet. Alfried Krupp, ein NS-Verbrecher, seit 1931 Mitglied der SS und seit 1943 Chef des Krupp-Imperiums, wird 1945 vom US-Militär verhaftet und gefangen genommen. Er ist der letzte Krupp an der Spitze des vom Urgroßvater gegründeten Industrie-Imperiums.

In der villa Hügel entdeckt Frankie das luxuriöse Leben der Schlossbesitzer.

Nach einem erlesenen Bad in der Badewanne Krupp - erzählt er - habe er sich seine Haut kräftig verbrannt, indem er sich der Strahlung einer UV-Lampe ausgesetzt habe, der neuesten schicken Erfindung für künstliche Bräunung kapitalistischer Herrschaften...

Strikte militärische Disziplin war nicht wirklich Frankies Stärke. Von den Stadtbewohnern erfährt er, dass sich in der Nähe eine Brauerei befindet. So kommt er auf die Idee, mehrere LKWs für eine "Sondermission" zu requirieren, die vom Brauer nur gutgeheissen werden kann ...!

Und an diesem Abend genießt das Erste Bataillon das nur allzu willkommene Freibier. Ein Gefühl des Wohlbefindens ergreift die abgekämpften und erschöpften Soldaten, die den Frieden in nächste Nähe gerückt sehen.

Frankie rückt weiter mit der berühmten 8. Division in Deutschland vor. Nach Beendigung der schweren Kämpfe an der Ruhr erreicht er und überquert er schliesslich am 1. Mai 1945, 10 Tage vor Kriegsende, die Elbe. Die unglaubliche Odyssee eines Antifaschisten, Widerstandskämpfers, Deportierten, Partisanen und letztendlichen Soldaten der in Nazi-Deutschland einmarschierenden amerikanischen Armee geht zu Ende. Ein neues Leben wird nun für Frankie beginnen...